Mobilität

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Vision Zero auf dem Subkontinent

Tags: Null Emissionen, Null Unfälle
Indien hat einen hohen Bedarf an Mobilität, vor allem an umweltfreundlicher Mobilität. ZF hat dazu die passenden Lösungen, die das Unternehmen an seinen Standorten im Land an die speziellen Bedürfnisse anpasst.
Lars Weitbrecht , 27. Juni, 2018
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Lars Weitbrecht kommt ursprünglich aus der Musik- und Gamingbranche, hält aber neben Gamepad und Gitarre auch gerne Stift und Lenkrad in der Hand.
Neu-Delhi zur Rush Hour. Zwischen Bussen, Vans und Lastern wuseln Mopeds, Tuk-Tuks und Kleinwagen. Wege entstehen dort, wo sich eine Lücke auftut. Benzin- und Dieselschwaden hängen in der Luft. Kein Zweifel, das Land boomt. Im Jahr 2017 war Indien die am viertschnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt.

Einen hohen Anteil daran hat die sich dynamisch entwickelnde Automobilindustrie. Sie trägt mit steigender Tendenz bereits jetzt rund sieben Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das ist ein ähnlich hoher Wert wie in Deutschland. Kein Wunder, stehen doch immer mehr Menschen in Arbeit und müssen immer mehr Güter transportiert werden. In der Folge sind auch immer mehr Fahrzeuge unterwegs auf Indiens Straßen. Aktuell ist das Land der weltweit viertgrößte Auto-Absatzmarkt.
Indiens Regierung will diese Entwicklung nicht nur fördern, sondern auch nachhaltig gestalten. Dabei sieht sie sich mit zwei Hauptproblemen konfrontiert: Weil es Menschen dank des Industriebooms verstärkt in die Städte zieht, ist dort die Luftbelastung extrem hoch. Dazu kommt eine extrem hohe Opferzahl durch Verkehrsunfälle.
Als Technologieunternehmen ist ZF optimal positioniert, damit Indien diese Herausforderungen besser bewältigen kann. Der Konzern hat nicht nur ein Portfolio mit innovativen und wirtschaftlichen Produkten, sondern er hat auch eine „Vision Zero“. „Als Unternehmen fühlen wir uns der Vision einer Welt ohne Unfälle und Emissionen verpflichtet“, sagt KV Suresh, Präsident von ZF India und ergänzt: „Dabei adaptieren wir globale Erfolgsprodukte für den regionalen Einsatz und passen unsere Strategie den Voraussetzungen der unterschiedlichen Märkte an.“
Hohe Umweltbelastung, viele Unfälle: Indiens Mobilitätssektor steht vor großen Herausforderungen.

Zero Accidents: Ein Hase für mehr Sicherheit

Zero Accidents: Ein Hase für mehr Sicherheit

Ortswechsel. Ein Klassenzimmer im westindischen Pune: Verkehrsunterricht. Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren sitzen in den üblichen Schulbänken aus Holz. „Was machen wir, wenn wir in ein Auto steigen?“, fragt der Lehrer. „Anschnallen!“, ruft einer der Schüler. Als Belohnung für die richtige Antwort erhält er einen kleinen Anstecker mit einem blauen Häschen darauf, der „Safety Bunny“.
Der Safety Bunny ist Teil einer Initiative von ZF, um Kinder für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Unter anderem mit Frage- und Lernspielen werden in den Kursen die Grundlagen der Verkehrssicherheit vermittelt. Der Safety Bunny ist dabei Botschafter, Maskottchen und Hauptdarsteller einer begleitenden Social-Media-Kampagne. Momentan startet das Projekt in mehreren englischsprachigen Schulen in Pune, Chennai, Hyderabad und Coimbatore. Der Konzern hat das Ziel, knapp 10.000 Schülerinnen und Schüler mit diesem Konzept zu erreichen.
150.000 Tote zählt die indische Verkehrsbehörde jährlich.

Erschreckende Unfallstatistik

Erschreckende Unfallstatistik

Wie wichtig derartige Initiativen sind, zeigt ein Blick auf Statistiken zur Verkehrssicherheit. Nirgendwo auf der Welt sonst sterben so viele Menschen im Straßenverkehr wie in Indien. 150.000 Tote zählt die indische Verkehrsbehörde jährlich. Das sind, bezogen auf die Einwohnerzahl, drei-bis viermal so viele wie in Deutschland oder Frankreich. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind Zweiradfahrer (25 Prozent) sowie Kinder und Jugendliche (10,5 Prozent).
Einige dieser Opfer sind auch der indischen Infrastruktur geschuldet. Gerade im ländlichen Raum dauert es lange, bis der Unfallort erreicht. Die Hauptauslöser für Unfälle gleichen denen in anderen Regionen der Welt: Überhöhte Geschwindigkeit sowie Trunkenheit oder Telefonieren am Steuer. Hinzu kommen veraltete Fahrzeuge, die nur wenig Insassenschutz bieten und der nachlässige Umgang mit Schutzhelm, Sicherheitsgurt oder Kindersitz. Darüber hinaus trägt auch eine häufig unzulängliche Strafverfolgung bei Verstößen zur schlechten Statistik bei.
Die indische Regierung will die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 auf die Hälfte des heutigen Niveaus senken. Dazu legt sie Investitionsprogramme auf – etwa zur Verbesserung der Infrastruktur – und verabschiedet Gesetze. Vom Jahr 2019 an gehören Airbags, ABS und Geschwindigkeitsbegrenzer in Neufahrzeugen zur Pflichtausstattung. Momentan läuft außerdem die Organisation des Bharat New Vehicle Safety Assesment Program (BNVSAP) an, dem indischen Pendant zum Crashtest NCAP.
Derartige Entwicklungen unterstützt ZF ebenfalls als Partner von Aufmerksamkeitskampagnen wie „Stop the Crash.“ Auch das Produktportfolio des Konzerns kann dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden oder deren Folgen abzuschwächen. In einem Werk im südindischen Chennai fertigt ZF etwa Gurt- und Airbagsysteme. Neue in den Markt eingeführte Produkte wie die elektrische Parkbremse EPB bringen weitere Sicherheitsvorteile, weil sie sich auch in den Notbremsassistenten einbinden lässt.

ZF in Indien

ZF ist in Indien seit über 60 Jahren als Unternehmen aktiv und an insgesamt 15 Standorten vertreten. Inklusive seiner Joint Ventures beschäftigt der Konzern landesweit 12.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr hat ZF in Indien umgerechnet 525 Millionen Euro umgesetzt. Den größten Anteil daran hatten die Nutzfahrzeuggetriebe und die Fahrwerktechnik sowie die Sicherheitstechnik mit Produkten wie Airbags, Gurte und Bremsen. Zu seinen Kunden zählt das Unternehmen unter anderem Tata Motors, Mahindra & Mahindra, Ashok, Volvo Eicher und Daimler. Um das im Land vorhandene IT-Wissen optimal zu nutzen, eröffnete die Forschungsabteilung des Konzerns im März 2017 das ZF India Technology Center in Hyderabad . Dort konzentrieren sich momentan 1.000 Ingenieure (bis zum Jahr 2020 sollen es 2.500 Ingenieure sein) auf die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen und anderen fortschrittlichen Technologien für den Weltmarkt.

Zero Emissions: Push für erneuerbare Energien

Zero Emissions: Push für erneuerbare Energien

In Tamil Nadu durchschneiden die riesigen Propeller von Windkraftanlagen den Himmel. Der Bundesstaat an Indiens Südspitze ist der Topproduzent von erneuerbarer Energie. In vielen der Windturbinen arbeiten leistungsfähige ZF-Getriebe aus dem Werk Coimbatore. „Weil die Regierung verpflichtende Richtlinien für die Betreiber vorgibt und den Wettbewerb fördert, bietet der Markt viele Chancen für den Konzern“, so Deepak Pohekar, der Standortleiter Coimbatore. Die Windparks in Tamil Nadu können jährlich mehr als 8.000 Megawatt liefern. Indiens Gesamtkapazität liegt bei 34.000 Megawatt. Damit hat das Land die viertgrößte Windenergiekapazität der Welt.
Wir fühlen uns der Vision einer Welt ohne Unfälle und Emissionen verpflichtet.
— KV Suresh, President ZF India

Das macht sich allerdings noch nicht bemerkbar, wenn es um Emissionen geht. Zwar liegt der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 mit 1,7 Tonnen unter dem globalen Durchschnitt, doch noch immer trägt die Kohle 60 Prozent der indischen Energiewirtschaft. Von der Luftverschmutzung besonders betroffen ist Neu-Delhi. Hier, wo neun Millionen motorisierte Fahrzeuge unterwegs sind, haben Messstellen im Jahr 2016 durchschnittlich 143 Mikrogramm Ultrafeinstaub pro Kubikmeter Luft registriert. Zum Vergleich: In der deutschen Stadt Stuttgart wird bereits bei 15 Mikrogramm roter Alarm ausgelöst. Greenpeace schätzt, dass jährlich 1,2 Millionen Inder an den Folgen der Luftverschmutzung sterben.
Die indische Regierung steuert dagegen: mit Emissionsvorgaben, Fahrverboten, verbesserter Infrastruktur für Elektromobilität sowie mit Kaufprämien für Elektroautos.
Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Verkehr nicht der alleinige Auslöser für die Belastung der Luft und der Atmosphäre mit Schadstoffen ist, jedoch kann der Staat hier vergleichsweise einfach regulierend eingreifen:
  • Ein strenges, aber nur kurzfristig wirksames Mittel sind Teil-Fahrverbote, die bei akuter Not in Neu-Delhi ausgesprochen werden. Im täglichen Wechsel dürfen nur Autos mit geraden oder ungeraden Ziffern auf dem Kennzeichen fahren.
  • Landesweit gilt seit dem Jahr 2017 der Emissionsstandard Bharat Stage IV (BS-IV), der in etwa der Abgasnorm Euro 4 entspricht. Im Jahr 2020 soll in ganz Indien direkt BS-VI (entspricht Euro-6) eingeführt werden.
  • Im Parlament wird ein Vorschlag diskutiert, Nutzfahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen, die älter als 20 Jahre sind.
Dass sich auch mit konventioneller Technik hier Fortschritte erzielen lassen, zeigt ZF mit seinen kraftstoffeffizienten Automatgetrieben. Für den indischen Markt entwickelt der Konzern solch ein wirtschaftliches, kosteneffektives Schaltsystem für Nutzfahrzeuge – eine Premiere in dieser Region. Doch bei ZF wird nicht nur bei Produkten darauf geachtet, dass sie durch hohe Effizienz nachhaltig sind. Auch jenseits der Produkte ist der Konzern bestrebt, seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Das Werk Pune etwa erzeugt jährlich 290 Megawattstunden Strom durch Solaranlagen, in Coimbatore werden in einem Pilotprojekt Stromfresser in der Produktion identifiziert.

Wie überall auf der Welt, kann auch in Indien die Elektromobilität einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Schadstoffausstoß zu begrenzen. Deshalb unterstützt die indische Regierung den Wandel hin zur E-Mobility mit Gesetzesänderungen und Subventionen für eine bessere Versorgung mit Ladesäulen. Mehrere lokale Regierungen steigen auf elektrische Kommunalfahrzeuge um. Rideshare-Anbieter wie Uber oder dessen Konkurrent Ola aus Bangalore wollen kurzfristig mehrere tausend emissionsfreie Kompaktfahrzeuge und Rikschas auf die Straßen bringen. Auch ZF spricht mit mehreren Herstellern über sein Angebot an elektrischen Antriebslösungen. Bei der Elektromobilität verfügt der ZF-Konzern über ein sehr breites Portfolio für alle möglichen Anwendungen. Dabei bietet das Unternehmen nicht nur E-Antriebe für alle Fahrzeugklassen, sondern auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Sie reichen vom hybridisierten Automatgetriebe bis zum reinen batterieelektrischen Antrieb.
Mit seinen Produkten kann der Konzern der indischen Regierung helfen, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Schließlich soll in Indien bis zum Jahr 2030 die E-Fahrzeugquote bei 30 Prozent liegen. Dies entspricht etwa sechs bis sieben Millionen Fahrzeugen. Derzeit liegt die Quote bei einem Prozent.
ZF ist in Indien an insgesamt 15 Standorten vertreten.

In Kürze: Der indische Mobilitätsmarkt wächst exponentiell und bietet Unternehmen wie ZF ein riesiges Potenzial. Regierung wie Hersteller wollen mit Gesetzen, Förderprogrammen und neuen Produkten diese Entwicklung nachhaltig gestalten. Dabei stellen Luftverschmutzung und Verkehrssicherheit die indische Gesellschaft vor große Herausforderungen.