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Sicher unterwegs mit offenen Ohren

Tags: Künstliche Intelligenz
Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass Autos auf die Außenwelt hören, dank Künstlicher Intelligenz daraus Schlüsse ziehen und dann vielleicht selbstständig ausweichen?
Michael Scheibe, 02. Mai 2018
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Michael Scheibe schreibt seit 2016 als Redakteur im Publishing-Team von ZF fürs Magazin sowie alle anderen Publikationen des Konzerns. Zudem fungiert er als Bindeglied zwischen externen Autoren und den ZF-Experten.
Sound.AI von ZF ergänzt die Sensorik um einen weiteren Sinn und bringt Autos das Hören bei. ZF lässt Autos „sehen“, „denken“ und „handeln“ (see, think, act). Doch warum nicht auch „hören“ fragten sich Florian Ade und Julian Fieres. Schließlich ist das Hören im Straßenverkehr ein wichtiger Sicherheitsfaktor. So überlegten sich die beiden Volkswirte im vergangenen Jahr, wie sie die Radar- und Lidartechnik fürs Sehen des Autos um eine Sounderkennung erweitern können. Dabei sollte das Gehör des Fahrzeugs auf künstlicher Intelligenz basieren. Bei Ade und Fieres ging dieser technische Ansatz auch in den Namen ihres Produktes ein: „Sound.AI“ (Artificial Intelligence).

Mit ihrer Idee vom hörenden Auto traten die beiden bei der Innovation Challenge 2017 an, einem konzerninternen Ideenwettbewerb, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal stattfand. Mit diesem Wettbewerb geht ZF neue Wege bei der Suche nach interessanten und marktfähigen Produkten der Zukunft. Die Idee zu „Sound.AI“ kam Ade und Fieres während der letztjährigen ZF Pitch Night im ZF Forum.
Dort präsentierte ein externes Start-up ein auf Akustik basiertes System zur Identifizierung von Problemen in Stromnetzen und Hochdruckgasanlagen. „Hey, warum nicht etwas ähnliches für Autos entwickeln?“, erinnert sich Fieres.

Es begann mit der Innovation Challenge

Es begann mit der Innovation Challenge

So entwarfen die Beiden unterschiedliche Szenarien und beteiligten sich dann mit ihrer Idee an der „Innovation Challenge“.
Doch Freude und Stolz über das erfolgreiche Abschneiden dort wichen schnell der Frage, wie sie innerhalb weniger Wochen aus ihren Gedanken ein sogenanntes Minimum Viable Product (MVP) machen. Ein MVP ist ein „kleinstmögliches realisierbares Produkt“. Es zeigt, dass das Produkt grundsätzlich funktioniert. Florian Ade arbeitet in der Strategischen Unternehmensentwicklung von ZF und Julian Fieres ist Leiter Strategie und Unternehmensentwicklung der E-Division am ZF-Standort Schweinfurt – beide also keine Ingenieure. Dass die Entwicklung des MVP in nur knapp fünf Monaten geklappt hat, verdanken sie unter anderem der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (fka). Deren Experten unterstützten bei der Sound-Hardware, beim Aufbau eines Testfahrzeugs und bei der akustischen Optimierung. Dazu kam ein ZF-internes Support-Team, bestehend aus Trainees sowie Experten für Künstliche Intelligenz und Sound.
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Das Team um Florian Ade (2. vorne links) und Julian Fieres (3. vorne links) beim finalen Funktionstest der „Sound.AI“.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Kurz vor Weihnachten 2017 gab es dann Grund zum Feiern: Beim Abschlusstest präsentiert das Team den Prototypen der „Sound.AI“. Das System erkennt die Signale des Martinshorns eines sich nähernden Einsatzfahrzeugs von Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst („siren detection“). Anschließend informiert „Sound.AI“ den Fahrer über ein Display, aus welcher Richtung das Einsatzfahrzeug kommt und empfiehlt, wie er sich verhalten soll: Kommt es von hinten, wird empfohlen, rechts heranzufahren oder aber – auf Autobahnen – eine Rettungsgasse zu bilden. „Sound.AI“ eignet sich jedoch nicht nur für die Sirenenerkennung, sondern lässt sich auch noch für andere Zwecke einsetzen. ZF hat jedenfalls entschieden, das MVP in einem Corporate Start-up – beteiligt sind die ZF-Business Unit Electronic Interfaces, die Konzern-Vorentwicklung und der Bereich Digitalisierung – zur Serienreife zu entwickeln. Erste Gespräche mit Automobilhersteller laufen bereits.
Für ZF ist „Sound.AI“ auch ein gelungenes Beispiel für eine veränderte Arbeitsweise im Konzern. Mit dieser Start-up-Kultur lassen sich aus technischen Veränderungen schneller konkrete Marktchancen kreieren.
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Ein Einsatzfahrzeug nähert sich von hinten: „Sound.AI“ hört das Signal und informiert den Fahrer über ein Display im Fahrzeug.

Die Ohren des Autos

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