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Rinspeed Snap: Ein Chassis, viele Aufbauten

Für autonome Elektrofahrzeuge ist das Intelligent Dynamic Driving Chassis (IDDC) von ZF ideal. Rinspeed nutzt es als Basis für sein jüngstes Konzeptmobil „Snap“.
Achim Neuwirth, 05. Januar 2018
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Achim Neuwirth ist seit 2011 als Autor für ZF tätig. Der Publizistiker schreibt bereits seit rund 20 Jahren über Mobilitätsthemen in allen Facetten.
Wie urbane Mobilität künftig funktioniert, davon hat ZF sehr konkrete Vorstellungen. Das Intelligent Dynamic Driving Chassis (IDDC) erfüllt alle Voraussetzungen für autonome E-Fahrzeuge. Bei Rinspeed ist es die Basis für das Konzeptmobil „Snap“.

Wie immer mehr Stadtbewohner, wandelt sich auch das Cityfahrzeug von morgen zum multitalentierten Workaholic. Ein Beispiel dafür ist das Mobilitätskonzept Rinspeed „Snap“. Weil jeder Carsharing-Nutzer unterschiedliche Ansprüche ans Transportmittel stellt, bietet „Snap“ austauschbare Karosserien, sogenannte „Pods“. Ob als mobiles Büro, als Familienfahrzeug, als Lieferwagen oder als sonstiges Fahrzeug: Je nach Bedarf sind die Aufbauten auf dem sogenannten Skateboard schnell gewechselt. Dessen technische Basis ist das Intelligent Dynamic Driving Chassis (IDDC) von ZF. Es ist eine Plattform, die ZF speziell für autonome Elektrofahrzeuge entwickelt hat. „Wie schon bei unserem Vorjahresprojekt „Oasis“ haben wir auch bei „Snap“ ZF wieder eine technologische Hauptrolle übertragen“, sagt der Schweizer Automobilvisionär und Rinspeed-Chef Frank M. Rinderknecht.
Alles ist so konzipiert, dass wir das Skateboard nach einigen Jahren der hochintensiven Dauernutzung austauschen und recyceln, die Pods aber weiterverwenden.
— Frank M. Rinderknecht, Rinspeed

Transporteffizienz neu gedacht

Transporteffizienz neu gedacht

Für maximale Wirtschaftlichkeit und damit kein Parkraum verschwendet wird, transportiert das IDDC pausenlos die unterschiedlichsten Pods. Um die Umwelt zu schützen, fährt das Fahrzeug vollelektrisch, sprich lokal emissionsfrei und leise. Und weil „Snap“ seinen Passagieren auch Zeit schenken soll, ist das Konzeptfahrzeug computergesteuert und autonome im urbanen Verkehr unterwegs. Weiterer Clou: „Unser Konzept berücksichtigt von vornherein die unterschiedliche Lebensdauer der Fahrzeugsysteme, was massiv Ressourcen schont“, sagt Rinderknecht und erklärt: „Alles ist so konzipiert, dass wir das Skateboard nach einigen Jahren der hochintensiven Dauernutzung austauschen und recyceln, die Pods aber weiterverwenden.“ Das klappt bei „Snap“ hervorragend, weil die lenkradlosen Karosserien komplett vom Chassis samt Antrieb, Sensorik und den vergleichsweise schnell veralteten IT-Systemen getrennt sind.
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In Rinspeeds „Snap“-Konzept chauffiert das IDDC wechselnde Karosserien durch die Stadt

Universalwerkzeug der Automatisierung

Universalwerkzeug der Automatisierung

So liefert das IDDC von ZF in kompakter Form, wonach das Rinspeed-Konzept für die Zukunft urbaner Fortbewegung verlangt. Als Hinterachse und Antrieb zugleich wirkt das modulare System mSTARS (modular Semi-Trailing Arm Rear Suspension). Darin ist die Active Kinematics Control (AKC) integriert. AKC macht es möglich, dass die Hinterräder des „Snap“ mit einem Einschlag von bis zu 14 Grad mitlenken. In der Mitte der ZF-Achse sitzt ein extra klein dimensionierter elektrischer Antriebsmotor mit 50 kW. Dieser E-Antrieb ist auf maximale Reichweite, auf vergleichsweise niedrige Geschwindigkeiten und auf die Dauerbelastung im urbanen Carsharing getrimmt.
Die IDDC-Vorderachse von ZF heißt EasyTurn und löst ein, was der Name verspricht. Gemeinsam mit der modifizierten elektrischen Servolenkung erlaubt sie einen Einschlagwinkel von bis zu 75 Grad. Vernetzt mit der Hinterachslenkung AKC kann der Rinspeed Snap deshalb fast auf der Stelle drehen. Maximale Wendigkeit garantiert.
Fürs automatisierte und autonome Fahren wichtige Komponenten und Systeme integrierte ZF ebenfalls direkt ins IDDC. Dazu gehören das elektrifizierte Bremssystem IBC ebenso wie die Hardware und Software für die automobile Orientierung: beispielsweise Radarsysteme, eine mit Ibeo Automotive Systems entwickelte Lidar-Technologie sowie optische Kameras.
Das Denken und Entscheiden übernimmt beim IDDC künftig der zusammen mit Nvidia entwickelte Supercomputer „ZF ProAI“. Als elektronisches Hochleistungsgehirn verarbeitet er Daten in Echtzeit und leitet daraus Handlungsbefehle für die Aktuatoren ab. Ausgestattet mit künstlicher Intelligenz und Deep-Learning-Fähigkeiten wird ZF ProAI beweisen, dass IT-Systeme von ZF immer topaktuell sind.
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Maximale Wendigkeit mit den Achskonzepten von ZF
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Das IDDC von ZF bewegt die Aufbauten („Pods“) des „Snap“ als „Skateboard“