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Car eWallet: Intelligente Autos zahlen selbst

Den Hamburger im Vorbeifahren bezahlen? Mit Car eWallet klappt das. Und dank Blockchain völlig sicher. Fünf Beispiele, wie der digitale Assistent unsere Autos fit für die Mobilität der Zukunft macht und autonomes Fahren noch komfortabler wird.
Christoph Reifenrath, 20. Dezember 2017
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Christoph Reifenrath ist seit 35 Jahren TV- und Printjournalist und im ZF-Autorenteam. Er taucht am liebsten tief in Technikthemen ein.
Ein Auto mit modernen Assistenzsystemen parkt selbstständig ein, warnt vor starkem Seitenwind, sogar vor Unaufmerksamkeit und fährt zukünftig autonom. Doch im „Drive-through“-Restaurant oder im Parkhaus ist oft plötzlich Schluss mit Intelligenz und Hightech. „Zur Kasse bitte!“ heißt es dort immer noch. Um flott im Vorbei- oder Wegfahren zu bezahlen, ist das Auto nicht clever genug. An der Kasse angekommen, hat man zahlreiche Kunden vor sich und dazu wahlweise die Geldbörse im Auto vergessen, nur verdächtig große Scheine oder die „falsche“ Kunden- oder Kreditkarte eingesteckt. Das alles könnte bald Vergangenheit sein. Car eWallet heißt der innovative, digitale Assistent im Auto, der sicher und bequem „on-the-go“ bezahlen und auch kassieren kann.

Studie: Umsatz mit Mobilitätsdienstleistungen wird steigen

Studie: Umsatz mit Mobilitätsdienstleistungen wird steigen

Bei der zukunftsweisenden Lösung Car eWallet arbeiten der Technologiekonzern ZF, die Schweizer Großbank UBS und das amerikanische IT-Unternehmen IBM zusammen. Die rollende Geldbörse als eine Form des Mobile Payment ist ein Beispiel dafür, dass digitale Dienstleistungen weiter wachsen. Laut einer Studie von McKinsey & Company erwirtschaften Automobilhersteller mit Mobilitätsdienstleistungen rund 0,8 Prozent (2016) ihres Umsatzes. In Zukunft (2030) werden es 23 Prozent sein. „Der Trend zum Carsharing und die autonomen Fahrzeuge der Zukunft erfordern mehr denn je ein Transaktions-Ökosystem für jedermann", sagt Mamatha Chamarthi, Chief Digital Officer bei ZF.
Mit der Integration von Car eWallet in die Künstliche-Intelligenz-Steuerung ZF ProAI wächst zudem zusammen, was künftig zusammen gehört: Denn um wirklich autonom unterwegs sein zu können, benötigen Fahrzeuge einerseits eine zentrale Hochleistungrecheneinheit, wie den von ZF und Nvidia gemeinschaftlich entwickelten Supercomputer. Anderseits brauchen sie einen digitalen Agenten, der selbstständig Aufgaben ausführen und Zahlungen genehmigen kann, ohne dass die Besitzer oder Nutzer selbst aktiv werden müssen.

Fünf Beispiele, wie Car eWallet Mobilität komfortabler macht

Fünf Beispiele, wie Car eWallet Mobilität komfortabler macht

  • Das Auto bezahlt beim Wegfahren im Parkhaus, an der Autowaschanlage, an der Tankstelle, im „Drive-through“-Restaurant oder rechnet selbstständig mit Mietwagenanbietern ab.
  • Das Auto kassiert Carsharing-Gebühren von anderen Fahrzeugnutzern.
  • Das Elektroauto bezahlt automatisch an der Stromtankstelle oder verkauft selbstständig Energie aus der Batterie an den Stromanbieter.
  • Das Fahrzeug rechnet direkt mit dem Lieferservice ab, der Getränke oder Schuhe ins Auto liefert. Ein Zusteller kann das Auto per Code öffnen.
  • Das Auto kann einen nicht manipulierbaren Fahrzeugpass bereitstellen, der dessen gesamte Historie dokumentiert.

Sicher und in Echtzeit bezahlen

Sicher und in Echtzeit bezahlen

Die Blockchain-Technologie gewährleistet die Sicherheit des digitalen Bezahlsystems. IBM stellt innerhalb der Partnerschaft das Blockchain-Backend bereit. Dadurch wird es möglich, Transaktionen praktisch in Echtzeit durchzuführen, ohne dass eine zentrale Instanz oder ein vertrauenswürdiger Dritter erforderlich ist. „Die Welt der Mobilität entwickelt sich rapide. Selbstfahrende Fahrzeuge, Elektroautos und neue Mobilitätsdienstleistungen sind von visionären Konzepten zur Realität geworden. Zeiten großer Veränderung erfordern Transformationslösungen", sagt Dirk Wollschläger, IBM General Manager Global Automotive Industry. Mit Car eWallet entsteht die erste Automotive-Transaktionsplattform für mobilitätsbezogene Dienstleistungen, die digitalen Handel und bargeldloses Bezahlen zwischen Herstellern, Zulieferern, Dienstleistern und Kunden radikal vereinfacht.

Kooperation mit weltgrößtem Anbieter für E-Ladesysteme

Kooperation mit weltgrößtem Anbieter für E-Ladesysteme

Das amerikanische Unternehmen Chargepoint möchte als einer der ersten Service-Provider mit Car eWallet kooperieren. Chargepoint bietet mit mehr als 40.000 unabhängig betriebenen Ladepunkten und über 7.000 Kunden (Unternehmen, Städte, Behörden, Service-Providern etc.) das weltweit größte und offenste Elektrofahrzeug-Ladesystem an. Und es ist aktuell das einzige Ladetechnologie-Unternehmen, das Hard- und Softwarelösungen entwirft, entwickelt und herstellt, die jede mögliche Ladesituation für Elektrofahrzeuge abdeckt – sei es zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Stadt oder auf längeren Fahrten. Chargepoint hat seine Expansion nach Europa angekündigt und will zunächst in Großbritannien starten. Großer Vorteil der Chargepoint-Stationen: Ein weltweit einheitliches Bedien- und Bezahlsystem, das sich mit Car eWallet jetzt noch einfacher nutzen lässt.
Mit APCOA zeigt auch Europas größte Parkplatz-Management-Gesellschaft Interesse: Die Fahrer von Car eWallet- Fahrzeugen können dadurch allein in Europa über 200.000 Parkplätze in 80 Städten nutzen, ohne ein einziges Mal zum Portemonnaie zu greifen.
Der Trend zum Carsharing und die autonomen Fahrzeuge der Zukunft erfordern mehr denn je ein Transaktions-Ökosystem für jedermann.
— Mamatha Chamarthi, Chief Digital Officer bei ZF

2018 sollen weitere Partner ins Boot kommen

2018 sollen weitere Partner ins Boot kommen

Weitere Service-Provider machen das nahtlose Fahrerlebnis der Zukunft perfekt. Zur CES 2018 soll das Car eWallet-Ökosystem konsequent weiter ausgebaut werden. Die künftigen Nutzer von Fahrzeugen mit Car eWallet wird es freuen: Lästiges Kramen nach Kleingeld gehört für sie dann immer häufiger der Vergangenheit an. Stattdessen können sie lässig vorbeifahren, während ihr Auto bezahlt.

So funktioniert Blockchain

Die Blockchain-Technologie basiert auf einer dezentralen Datenbank, die gleichzeitig auf vielen Computern eines Netzwerks gespiegelt existiert. Anders als bei einer Bank gibt es keinen zentralen Server, der alle Transaktionen verwaltet. Bei jeder Blockchain-Transaktion entstehen Datenbankeinträge, die in Blöcken zusammengefasst werden. Bezahlt zum Beispiel jemand ein Auto, registrieren viele Rechner überall auf der Welt diese Transaktion – allerdings anonym. Da jede Aktion unendlich und unlöschbar in den Datenbanken erhalten bleibt und von den Computern im Netzwerk authentifiziert werden muss, gelten Transaktionen über eine Blockchain als besonders gut geschützt gegen Manipulationen. Auch das Bitcoin-System basiert auf der Blockchain-Technologie.

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