Technologie

Volle Kontrolle für die Mobilität der Zukunft

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Tags: AutonomesFahren, SeeThinkAct, Effizienz, VehicleMotionControl

Das Fahrwerk spielt eine entscheidende Rolle für eine saubere, sichere und komfortable Mobilität. Daher ist das Thema „Vehicle Motion Control“ eines der vier zentralen Technologiefelder der ZF-Konzernstrategie „Next Generation Mobility“.
Kathrin Wildemann, 19. Juni 2019
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Kathrin Wildemann gehört seit 2016 zum festen Autorenteam bei ZF. In On- ebenso wie in Offline-Beiträgen beschäftigt sie sich bevorzugt mit Elektromobilität und anderen Nachhaltigkeitsthemen.
Geht es um die großen Trends, die die Automobilbranche aktuell beschäftigen, liegt das Augenmerk meist auf Antrieb, Software und Sensorik. Völlig zu Recht, denn diese Komponenten sind essenziell für innovative, vernetzte und nachhaltige Mobilitätslösungen. Doch ein weiterer entscheidender Faktor bleibt oft unerwähnt: Im Fahrwerk laufen aktuelle Entwicklungen und etablierte Anforderungen zusammen.

Egal, ob rein elektrisch oder konventionell angetrieben, autonom oder manuell gesteuert – das komplexe System aus Lenkung, Bremsen, Dämpfern, Federung und Radführung bildet die notwendige Grundlage, um Fahrzeuge jeder Art kontrolliert durch den Verkehr zu steuern. Um dieser Bedeutung Rechnung zu tragen, hat ZF in seiner Konzernstrategie das Thema „Vehicle Motion Control“ neben Elektromobilität, Integrierter Sicherheit und Autonomem Fahren als eines von vier zentralen Technologiefeldern benannt.

Fahrwerktechnik für eine saubere, sichere und komfortable Mobilität

Hinter dem Begriff „Vehicle Motion Control“ verbirgt sich nichts anderes als die Regelung aller Fahrzeugbewegungen – egal, ob in Längs-, Quer- oder Vertikalrichtung. Wie abrupt eine Bremsung ausfällt, wie schwungvoll der Pkw eine Kurve nimmt und wie heftig die Insassen auf einer schlaglochreichen Piste durchgeschüttelt werden, wird alles durch die verschiedenen Bestandteile des Chassis kontrolliert. Das Fahrwerk bestimmt grundlegend über Fahrgefühl, Fahrdynamik und auch Sicherheit. „ZF ist hier in einer branchenweit einzigartigen Situation: Wir verfügen als einziger Zulieferer über die Aktuatorik, um alle Dimensionen der Fahrdynamik umfassend zu kontrollieren. Wenn es um den Komfort der Insassen geht, überlassen wir nichts dem Zufall”, sagt Dr. Peter Holdmann, Leiter der ZF-Division Fahrwerktechnik.

Ohne Fahrkomfort keine selbstfahrenden Autos

Die Frage nach einem ruckelfreien und angenehmen Fahrerlebnis ist dabei alles andere als ein „Nice to have“. Was lange Autofahrten für zu Reiseübelkeit neigende Menschen schon heute zur Tortur macht, entwickelt sich spätestens in automatisiert steuernden Pkw zur Grundsatzfrage. Denn wenn die Aufmerksamkeit nicht auf dem Verkehrsgeschehen liegt, wird jede Karosseriebewegung als störend wahrgenommen. Damit das zukünftige Robotaxi tatsächlich seine Vorzüge als rollendes Wohnzimmer oder mobiles Büro ausspielen kann, müssen die Insassen vollständig von der Straße und dem Fahrgeschehen entkoppelt sein. Das erfordert eine intelligente und perfekt aufeinander abgestimmte Vernetzung aller Chassiskomponenten zu einem smarten und vorausschauend agierenden System – wie beispielsweise das von ZF entwickelte aktive Dämpfungskonzept sMOTION. „Mit unserer innovativen Chassis-Technologie nehmen wir bei den Zukunftsthemen autonomes Fahren und Elektromobilität eine klare Vorreiterrolle ein“, so Holdmann.
“Wir sind als branchenweit einziger Zulieferer in der Lage, alle Dimensionen der Fahrdynamik umfassend zu kontrollieren. Mit Blick auf die Megatrends Elektromobilität und autonomes Fahren nimmt unsere Chassis-Technologie eine klare Vorreiterrolle ein.”
— Dr. Peter Holdmann, Leiter Division Fahrwerktechnik

Elektroautos wendig und effizient machen

Denn auch E-Autos erfordern Anpassungen im Fahrwerk. Für Hersteller bedeutet dies zusätzliche Kosten: Sie müssen für ihre elektrifizierten Modelle eine eigene Plattform entwickeln. Um das zu umgehen, bietet ZF mit dem modularen Hinterachssystem mSTARS (modular Semi-Trailing Arm Rear Suspension) eine Baukastenlösung, in die sich sowohl ein elektrischer Achsantrieb wie auch die konzerneigene Hinterradlenkung AKC (Active Kinematics Control) bauraumneutral integrieren lassen. Sie verleiht dem elektrisch angetriebenen Pkw zusätzliche Fahrstabilität und Wendigkeit – denn durch den Einbau der Batterie verlängert sich oftmals der Radstand, und der Wendekreis wächst. Für neue Mobilitätsunternehmen, die wenig eigene Ressourcen in Entwicklung und Produktion stecken können, geht ZF als Systemanbieter sogar noch einen Schritt weiter: Im Intelligent Dynamic Driving Chassis (IDDC) integriert der Konzern alle seine smarten mechatronischen Fahrwerksysteme mit Sensorik und Steuerungssoftware zu einer vielseitig einsetzbaren Plattform für hochautomatisierte E-Fahrzeuge.