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ZF arbeitet am fahrenden Wohnzimmer

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Tags: AutonomesFahren

Auf dem Weg zum automatisierten Fahren spielt die Sicherheit die entscheidende Rolle. ZF beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Innenraum der Zukunft. Ein Gastbeitrag von Thomas Flehmer.
Thomas Flehmer, 03. Januar 2019
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Thomas Flehmer ist Geschäftsführer und Redakteur der FM Autoportal GmbH. Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Website des Unternehmens, www.autogazette.de
Der Umbruch in der Automobilindustrie macht auch vor der Gestaltung des Innenraums nicht Halt. „Mit Abstand betrachtet, sind die bisherigen Fahrzeuginnenräume sehr standardisiert aufgebaut. Durch die neuen Assistenzfunktionen befinden wir uns das erste Mal seit langer Zeit in einer Umbruchsituation bei der Entwicklung von Innenräumen“, sagt Stefan Knöß der Autogazette. Knöß ist Projektleiter Integrated Safety bei ZF. Besonders das Ziel automatisiertes Fahren beschert den Entwicklern des Zulieferers vom Bodensee neue Aufgaben.

Bislang waren die Anforderungen der Cockpit-Gestaltung laut Knöß auf die Rolle des Fahrers konzentriert. „Heute haben wir vor allem durch die Assistenzsysteme eine kontinuierlich steigende Komplexität im Fahrzeug, die uns bei der Entwicklung künftiger Fahrzeuginnenräume vor spannende Herausforderungen stellt“, sagt Knöß. Gemeinsam mit Zulieferer Faurecia schaffen die Spezialisten unter dem Namen „Concept 2020“ erste Ergebnisse für den Innenraum der Zukunft. Knöß spricht dabei vom ersten großen Wandel seit Jahrzehnten, der im Innenraum stattfindet – und das nicht nur für die Designer. „Durch automatisierte Funktionen lässt sich die Fahrverantwortung künftig teilweise an das Fahrzeug übergeben. Der Fahrer wird beim autonomen Fahren zum Beifahrer.“
Verschiedene Systeme überwachen die Umgebung des Fahrzeugs.

Wer jetzt vom rollenden Kino oder Büro träumt, liegt nicht falsch, doch stehen für die Entwickler zuerst andere Aufgaben auf der Agenda. „Automatisiertes Fahren ohne Sicherheit ist nicht möglich. Das reicht von sicheren Fahrfunktionen, sicherer Bedienung bis hin zur Anpassung von passiven Sicherheitssystemen wie Gurten und Airbags“, sagt Georges Halsdorf, stellvertretender Leiter der Abteilung Integrated Safety bei ZF.

Zusammenspiel aktiver und passiver Systeme

Zusammenspiel aktiver und passiver Systeme

Zum einen geht es Halsdorf dabei um die Vernetzung der modernen Assistenzsysteme untereinander, zum anderen müssten Spurhalteassistent und Co. immer mehr mit passiven Sicherheitssystemen wie Gurten und Airbags verschmelzen. Denn auch die bereits seit Jahrzehnten bewährten Lebensretter müssen auf den Wandel im Innern vorbereitet werden: „Etwa, wenn etwa der Fahrersitz weiter verschoben oder gedreht werden kann“, erklärt Halsdorf. Halsdorf geht deshalb davon aus, dass der Gurt in Zukunft zum Bestandteil des Sitzes werden kann.
Aber auch die Vernetzung der Systeme mit dem Fahrer verlangt nach Optimierung. Bei Level 4 der fünfstufigen Skala des automatisierten Fahrens, bei dem im Fahrzeug noch Lenkrad und Gaspedal notwendig sind, müsse der Innenraum dazu beitragen, dass der Fahrer weiß, ob die Verantwortung bei ihm oder beim Fahrzeug liegt, sagt Knöß. Der Entwicklungsingenieur betont dabei, dass es ohne Lösungen bei der Sicherheit kein automatisiertes Fahren gibt: „Sicherheit muss bei der Entwicklung der Fahrfunktionen eines Automobils mitgedacht werden. Denn Sicherheit kann nicht unabhängig entwickelt und dann nachgerüstet werden.“
Durch die neuen Assistenzfunktionen befinden wir uns das erste Mal seit langer Zeit in einer Umbruchsituation bei der Entwicklung von Innenräumen“
— Stefan Knöß, Projektleiter Integrated Safety

Der Mensch als Rückfalllösung

Der Mensch als Rückfalllösung

Halsdorf bezeichnet den Menschen im technisch schon größtenteils beherrschbaren Level 4 als Rückfalllösung. „Beim vollautonomen Fahren muss das Fahrzeug die volle Funktionsfähigkeit alleine garantieren. Das wird nach und nach geschehen.“ Spätestens jetzt kommt ein weiterer Faktor ins Spiel: „Das Selbstverständnis des Fahrers, der zum Beifahrer wird, muss entwickelt werden. Das ist kein technischer, sondern ein psychologischer Vorgang“, sagt Knöß. Dann könne der Fahrer die Zeit ebenso flexibel nutzen wie seine Mitfahrer. Für Knöß keine ungewöhnliche Situation, denn alle Autofahrer seien ja auch oft Beifahrer und hätten somit schon genügend Erfahrungen gesammelt, dass ein Auto ohne das eigene Zutun von A nach B kommt.

Cockpit zwischen Wohnzimmer und Gesetz

Cockpit zwischen Wohnzimmer und Gesetz

Doch dieses Szenario wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen. Derzeit ist die Technik gerade einmal an der Stufe zu Level 3. Klöß rechnet damit, dass Level 4 zunächst nur in gewissen Zonen zur Anwendung kommt. Der Übergang zwischen den einzelnen Stufen aber erfolge kontinuierlich. Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, können beide Spezialisten nicht sagen. Neben den Wünschen der Menschen, die sich laut Klöß „ein bewegtes, fahrendes Wohnzimmer“ vorstellen, müssen sich die Entwickler noch weiteren Anforderungen stellen: „Der Gesetzgeber wird die Anforderungen aus der Sicherheitsperspektive formulieren. ZF muss beide Perspektiven unter einen Hut bekommen.“
Bereits seit Jahren arbeitet ZF an diversen Cockpit-Konzepten.